Auf den Spuren der Vergangenheit

Eine Spurensuche am Totenbach
Für meine heutige Wanderung habe ich mir vorgenommen, wieder etwas über die Vergangenheit und die frühere Geschichte des Erzgebirges zu erfahren. Es gibt hier im Erzgebirge viele der sogenannten verschwundenen Dörfer, so wie auch mein heutiges Ziel, die ehemalige Bergbausiedlung Lucy, früher Jungenhengst. Die Siedlung befand sich an der Mündung des Totenbaches am oberen Lauf des Schwarzwassers zwischen Zwittermühl und Brettmühl. Meine Wanderung begann ich auf einem Parkplatz in Johanngeorgenstadt, einer Bergstadt im Westerzgebirge, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien.
Direkt von Johanngeorgenstadt aus ging es über die Grenze nach Tschechien, knapp 6 Kilometer lagen vor mir. Auf dem Rücken mein Kamerarucksack, der mit seinen 14 kg auch nicht gerade ein Leichtgewicht ist. Aber wer schöne Fotos machen möchte, muss halt auch mal schleppen.


Die erste Entdeckung

Und da war sie schon, meine erste Entdeckung! Ich hatte vorher nicht gewusst, dass es hier dieses alte Mundloch eines Bergbaustollens gibt. Es handelt sich um den Zugang zum Tiefen Streitpinger Stollen bei Jungenhengst. Bereits um 1730 stieß man hier auf reichhaltige Zinnfunde. Der Stollen entwässerte und erschloss die Gruben unterhalb der imposanten Streitpinger Pinge, eines riesigen Pingen-Systems. Anfang des 19. Jahrhunderts endete der Bergbau, da der Zinngehalt abnahm. Es ist immer wieder spannend, solche Überreste der reichen Bergbaugeschichte im Erzgebirge zu entdecken.
Der ehemalige Standort von Jungenhengst

Nach mehreren Kilometern, teils bergauf, hatte ich mein Ziel für heute erreicht, die Wüstung Jungenhengst. Wüstung oder Wüstungen ist der Fachbegriff für verlassene Orte. Jungenhengst war einst eine kleine Siedlung im tschechischen Teil des Schwarzwassers, die eng mit dem Bergbau verbunden war. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier etwa 180 Menschen. Nach der Vertreibung der deutschen Bewohner gemäß den Benesch-Dekreten sind alle Gebäude, mit Ausnahme des Forsthauses und der Villa Schmidt, verfallen oder abgerissen worden.

Das alte Forsthaus

Die Ruine des ehemaligen Forsthauses von Jungenhengst. In diesem Gebäude war die Verwaltung der Wälder um den Totenbach, das Schwarzwasser und den Höhenrücken in Richtung Háje (Donawitz) untergebracht. Über die Jahrzehnte verfiel das Gebäude zusehends, mittlerweile ist es eingestürzt. Nur noch wenige Mauern und der Schornstein sehen zurzeit noch.
Auf dem Rückweg

Nachdem ich viele Eindrücke von diesem Ort sammeln konnte, trat ich meinen Rückweg an. Der Weg fühlte sich jetzt leichter an, da es wieder bergab ging. Vorbei an weiteren Informationstafeln des Gebirgslehrpfads Potůčky, die Informationen zu weiteren verschwundenen Ortschaften geben. Beim Lesen dieser Tafeln kommen mir bereits neue Ideen für weitere Wanderungen zu diesem Thema. Zum Abschluss des Tages habe ich mir eine echte tschechische Mittagsmahlzeit gegönnt.
Die Tour zum Nachwandern

Wer Interesse an dieser Wanderung hat: Die genaue Strecke meiner Wanderung findet ihr auf meinem Komoot-Profil.
Fazit
Eine lehrreiche Wanderung auf den Spuren der Vergangenheit des Erzgebirges. Dank der zahlreichen Informationstafeln nimmt man viel Wissen mit nach Hause.
Mein Tipp für euch: Wer gern auf den Spuren der Geschichte wandert, ist hier genau richtig. Es gibt noch so viel mehr stille Zeugnisse, die von euch entdeckt werden wollen. Ich selbst plane schon meine nächste Wanderung in die Geschichte des Erzgebirges.




