Meine fünf Lieblings-Aussichtstürme im Erzgebirge

Aussichtstürme im Erzgebirge

Der Aufstieg ist der Teil, den ich am liebsten immer überspringen würde. Wendeltreppe, kalter Handlauf, und irgendwo bei Stufe 140 fragt man sich: Warum tue ich mir das eigentlich an? Sobald ich aber oben angekommen bin und der Wind mir durch meine Jacke weht, hat sich die Frage, ob es sich lohnt, schon erledigt.

Überall im Erzgebirge sind alte und neue Aussichtstürme zu finden. Manche stehen mitten im Wald, andere thronen auf einem Gipfel, von dem aus man bei klarem Wetter bis nach Böhmen sehen kann. Ich bin in den letzten Jahren auf mehreren von ihnen gestiegen. Obwohl ich auch gelegentlich enttäuscht war wegen einer zugewachsenen Aussicht, einer geschlossenen Tür, Nebel so dicht, dass ich genauso gut zu Hause hätte bleiben können.

Fünf der Türme stelle ich euch heute vor. Das sind die, zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre und bei denen ich die Kamera schon auf dem Weg nach oben aus dem Rucksack hole.

1. Der Aussichtsturm auf dem Klínovec

Der Aussichtsturm auf dem Klínovec

Vom Fichtelberg aus ist es nur ein Katzensprung zum Klínovec. Mit seinen 1.244 Metern ist der Berg auf tschechischer Seite der höchste des gesamten Erzgebirges. Und oben steht einer der Türme mit der längsten Geschichte der Region.

Schon 1884 weihte man ihn ein, damals noch unter dem Namen „Kaiser-Franz-Joseph-Turm“. Leider verfiel der alte Turm im Laufe der Jahre. Deshalb sanierte man ihn zwischen 2012 und 2013, und zwar so, dass er wieder aussieht wie früher. Wenn Du heute die 75 Stufen nach oben steigst, schenkt Dir der Turm dafür bei klarem Wetter einen weiten Blick über das Erzgebirge.

Leider sieht es neben dem Turm sehr traurig aus. Die restlichen Gebäude verfallen bis heute, und das ehemalige Hotel ist komplett gesperrt, umzäunt und einsturzgefährdet. Aber für uns Fotografen und Heimatfreunde gilt der Komplex trotzdem als einer der faszinierendsten, aber auch traurigsten Lost Places im Grenzgebiet.

Mehr zur Geschichte und zum Turm findest Du auf bozidar.cz.

2. Mays‘ Turm in Thermalbad Wiesenbad

Der Turm oberhalb von Thermalbad Wiesenbad

Wie aus einem Märchen steht der Turm auf seinem Felsmassiv oberhalb des Kurortes Thermalbad Wiesenbad. Der Turm wurde 1899 zu Ehren des ersten Todestages Otto von Bismarcks fertiggestellt und eingeweiht. In der DDR-Zeit war der Turm nur noch eine Ruine und einsturzgefährdet. In der Zeit zwischen 1999 und 2000 hat man den Turm komplett restauriert. Wer heute nach 62 Steinstufen oben auf der Plattform ankommt, schaut weit über das mittlere Zschopautal. Für mich ist der Turm einer meiner Lieblingsfotospots im Erzgebirge.

3. Der Aussichtsturm auf dem Auersberg

Der Aussichtsturm auf dem Auersberg

Auf dem 1018 m hohen Auersberg steht der 3. Favorit. Der Turm gilt als einer der ältesten steinernen Aussichtstürme im ganzen Erzgebirge. Seit der Einweihung 1861 steigen Wanderer die Stufen hinauf, und es ist nicht schwer zu erraten, warum. Oben liegt Dir ein einzigartiger Rundblick zu Füßen. Bewaldete Höhenzüge, so weit das Auge reicht, dazwischen tief eingeschnittene Täler. Hier befindet sich auch das Auersberghaus, das Dich zu einer gemütlichen Rast einlädt.

4. Aussichtsturm auf dem Scheibenberg

Der Scheibenberg und seine „Orgelpfeifen“

Der Scheibenberg liegt mitten in der UNESCO-Welterbe-Region Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, und sein Aussichtsturm hat viel mit dem Berg selbst zu tun. Er ist achteckig gebaut, und das ist kein Zufall. Die Form erinnert an die Basaltsäulen, für die der Scheibenberg weithin berühmt ist. Dieser Turm wurde 1994 errichtet und ist einer der neuen Türme im Erzgebirge. Er nimmt den Platz des alten Königin-Carola-Turms ein, der wegen Baufälligkeit gesprengt wurde. Die „Orgelpfeifen“, wie man die Säulen nennt, machen den Berg zu einem echten Naturdenkmal.

5. Der Bismarckturm in Schneeberg

Der Bismarckturm in Schneeberg

1893 wurde an dieser Stelle der alte hölzerne Aussichtsturm abgerissen und der Bau eines steinernen Turms beschlossen. Der neue Turm wurde bereits am 31.08.1893 eingeweiht und steht auf einem wuchtigen Sockel aus heimischem Granit. Oben krönen ihn Zinnen, die ihm etwas Wehrhaftes, fast schon Mittelalterliches geben. Man könnte ihn glatt für eine kleine Burg halten und nicht für einen Aussichtsturm. Genau das macht ihn so besonders. Wenn Du ebenfalls, so wie ich, Wanderungen magst und ein Faible für solch alte Gemäuer hast, wirst Du hier doppelt belohnt. Einige Zeit war der Turm wegen Baufälligkeit für Besucher gesperrt. Nach einer Sanierung wurde der Turm 1993 für den Besucher wieder zugänglich gemacht.

Mein Fazit:

Jeder Turm hat seine eigene Geschichte. Der Klínovec ist der Riese mit einer langen Geschichte, der Scheibenberg greift das Motiv der Basaltsäulen auf und der auf dem Auersberg beeindruckt als ältester Steinturm der Region. Dazu kommt der märchenhafte Turm über dem Kurort. Jeder dieser Türme ist ein lohnendes Ziel, egal ob Du Fotos machen, wandern oder einfach nur die Ruhe genießen willst.
Such Dir einen Turm aus, pack Dir etwas zu trinken ein und warte auf einen klaren Tag. Dann hast Du den besten Blick, und der nächste Turm kommt von ganz allein auf Deine Liste. Ich wünsche Dir viel Spaß dabei.

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